Atempause

Sport/Freizeit
Für pflegende Angehörige

Seit dem vergangenen Jahr laden die Marburger Markuskirchengemeinde und das kirchliche Start-Up „UND Marburg“ gemeinsam zu Gottesdiensten „in sanften Tönen“ ein. Die Idee dahinter: eine möglichst reizarme Umgebung schaffen, damit auch Menschen mit chronischen Erkrankungen wieder einen Gottesdienst erleben können. Aus dieser Kollaboration entsteht nun noch mehr: Pflegende Angehörige sollen die Möglichkeit bekommen, sich zu treffen und auszutauschen – die Möglichkeit einer „Atempause“.

„Es ist ganz wichtig, dass pflegende Angehörige Ruhe-Inseln für sich haben“, sagt Martin Rimbach von „UND Marburg“. Er weiß genau, wovon er spricht, weil er selbst ein pflegender Angehöriger ist. Seine Frau Joana leidet als Folge einer Covid-Infektion unter einer so genannten „myalgischen Enzephalomyelitis“ (ME) - eine Multisystemerkrankung, die in unterschiedlichen Schweregraden zu erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen bis hin zur vollständigen Bettgebundenheit führt, wie Rimbach erläutert.

Gemeinsam mit Prädikant Christian Graß und mit Pfarrerin Annika Wölfel von der Markuskirchengemeinde hat er den „Gottesdienst in sanften Tönen“ mit konzipiert, der seit dem vergangenen Jahr in der Markuskirche angeboten wird. Er enthält Elemente eines normalen Gottesdienstes, aber es wird mit möglichst wenigen optischen und akustischen Reizen gearbeitet. Die Besucherinnen und Besucher können im Kirchenraum liegen, wenn sie möchten und jederzeit gehen, wenn sie überfordert sind.

„Das ist ein ganz wichtiges Format“, sagt Annika Wölfel. „Selbst wenn Menschen nicht kommen können, aber sehen, dass es ein Angebot für sie gibt, hat das eine Bedeutung.“ Weil Erkrankungen immer auch eine massive Belastung für das Umfeld und insbesondere die pflegenden Angehörigen sind, wollten die am Gottesdienst Beteiligten nun auch etwas tun, was eben über den Gottesdienst hinausgeht. Nämlich einen

Raum schaffen. „Einen Raum zum Sein, einen Raum ohne Erwartungen“, erklärt Martin Rimbach.

Die Bezeichnung „Atempause“ steht genau dafür: für die Möglichkeit der Begegnung. Niedrigschwellig und in gemütlicher Café-Atmosphäre. Der neue Projektladen von „UND Marburg“ im Steinweg ist laut der Initiatoren der ideale Ort dafür, auch weil er sichtbar und gut erreichbar mitten in der Stadt liegt. Und ein pflegender Angehöriger seine „Atempause“ vielleicht auch mit einem Einkauf oder einer Erledigung verbinden kann. „Es gibt kein konkretes Programm und keine Agenda, keine nötige Verbindlichkeit“, sagt Martin Rimbach. „Menschen sollen untereinander und mit uns ins Gespräch kommen können.“

Zunächst sollen die „Atempausen“ immer in terminlicher Nähe der „Gottesdienste in sanften Tönen“ stattfinden. Je nachdem, wie viele Menschen kommen und der Bedarf sich entwickelt, könnten sie auch häufiger werden, so die Initiatoren. Auch die Vernetzung zum Beispiel mit Pflegediensten oder anderen Beteiligten aus dem Gesundheitswesen ist bereits angedacht. Erst einmal soll es aber losgehen, nämlich am Samstag, den 13. Juni: Von 10:30 Uhr bis 12 Uhr sind alle pflegenden Angehörigen im UND-Projektladen (Steinweg 26) herzlich willkommen.

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