Thomas von Aquin
Thomas von Aquin und der Versuch, einen rationalen Weg zur Erkenntnis Gottes zu finden.
Der große Kunsthistoriker Erwin Panofsky hat den Aufbau der Summa Theologiae des Thomas von Aquin mit den großartigen Baukompositionen gotischer Kathedralen verglichen. Heute weiß niemand mehr, dass diese Hochschätzung der Gotik erst ca. 200 Jahre alt ist. Zuvor galt sie als Inbegriff der Kunstlosigkeit. Leider hat sich dieses neue Urteil über die Gotik nicht auch bei unserem Urteil über die mittelalterliche Philosophie durchgesetzt. Sie gilt immer noch als unaufgeklärt und ohne Wissen des Denkens um seine ihm eigenen Kriterien. Gerade bei seiner Erkundung rationaler Wege zur Erkenntnis Gottes verweist Thomas darauf, dass eine solche Erkenntnis nur möglich ist, wenn die Vernunft sich selbst zu ihrem Gegenstand macht. Es genügt nicht, irgendwie über Gott nachzudenken, man muss ihn als den Grund des eigenen Denkens erkennen. Nur wer dies tut, kann überhaupt denken. Denn wenn jeder seine Privatvernunft hat, gibt es weder Erkenntnis noch Verständigung. Thomas’ Theologie kann deshalb zu Recht als ein Gegenkonzept zur Wendung des Denkens auf sich selbst bei Descartes gelten. Der Vortrag versucht, das Besondere an der Begründung des eigenen Denkens in einer für alle verbindlichen göttlichen Vernunft durch Thomas von Aquin zu erklären und gegen die moderne Wende des Denkens auf sich selbst abzugrenzen.
Prof. Dr. Arbogast Schmitt studierte Gräzistik, Latinistik, Germanistik und Philosophie in Würzburg und Berlin. Promotion und Habilitation an der Universität Würzburg. Lehrstuhl für Klassische Philologie (Schwerpunkt Gräzistik) 1980-1991 an der Universität Mainz und 1991- 2011 an der Universität Marburg. Er blieb Marburg treu trotz Rufen an verschiedene andere Universitäten. Im Ruhestand Honorarprofessor an der FU Berlin, Arbeit an langjährigem Projekt 'Neuzeitliches Selbstverständnis und Deutung der Antike' und Autor mehrerer Bücher.
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