In unmittelbarer Nähe zur weithin sichtbaren Rundkirche, dem „Dom des Aartals“, befindet sich mit der Burgmauer Oberneisen ein eindrucksvolles Zeugnis der mittelalterlichen Geschichte des Ortes. Von der einstigen Burg der Herren von Nesen ist heute vor allem die mächtige Westwand erhalten geblieben.
Die Burg der Herren von Nesen
Die Geschichte der Burg ist eng mit dem niederadeligen Geschlecht der Herren von Nesen verbunden, dessen Wurzeln in Oberneisen liegen. Als Stammvater der Familie gilt Markolf von Nesen, der erstmals 1234 erwähnt wird.
Im Jahr 1288 erhielt ein Nachfahre gleichen Namens ein neu erbautes befestigtes Haus am Fuß des Berges zum Lehen. Diese urkundliche Erwähnung gilt als wichtiger Beleg für die mittelalterliche Burganlage in Oberneisen.
Von der einst stattlichen Burg ist heute hauptsächlich die ehemalige westliche Außenwand erhalten. Mit einer Länge von rund 20 Metern und einer Höhe von etwa 16 Metern lässt sie noch immer die Dimensionen des früheren viergeschossigen Gebäudes erahnen.
Teil einer größeren Befestigungsanlage
Die Burg stand nicht für sich allein. Historische Unterlagen lassen darauf schließen, dass sie Teil einer größeren Befestigungsanlage war. Von der Burg führte vermutlich ein Wehrgang zur Kirche. Von dort bestand eine weitere Verbindung zu einem sogenannten Jungfernturm, von dem noch kleinere Reste erhalten sind. Ein zusätzlicher Ostturm befand sich oberhalb der heutigen Grebenstraße, ist heute jedoch nicht mehr sichtbar.
Auch ein landwirtschaftliches Anwesen mit Hofhaus, Stall und Scheune gehörte zum Besitz der Herren von Nesen.
Die erhöhte Lage bot dabei einen strategischen Vorteil: Von hier aus ließ sich das Aartal weit überblicken.
Von Oberneisen bis in europäische Königshäuser
Eine Besonderheit der Geschichte ist die weitreichende Abstammungslinie der Herren von Nesen. Die männliche Linie des Geschlechts erlosch im frühen 15. Jahrhundert. Über weibliche Nachkommen lassen sich genealogische Verbindungen jedoch über zahlreiche europäische Adelsfamilien bis in verschiedene Herrscherhäuser verfolgen.
So ist die Burgmauer nicht nur ein steinernes Relikt der Ortsgeschichte, sondern erinnert zugleich an ein Adelsgeschlecht, dessen Nachfahren weit über die Grenzen des Aartals hinaus Spuren hinterließen.
Historisches Wahrzeichen von Oberneisen
Die erhaltene Burgmauer wurde im Rahmen umfangreicher Maßnahmen gesichert und instandgesetzt. Dabei wurden unter anderem die Mauerkrone und Fensterbereiche erneuert sowie vorhandene Baureste statisch gesichert.
Heute bildet die Burgmauer gemeinsam mit der benachbarten Rundkirche ein besonderes historisches Ensemble. Sie erinnert an die mittelalterlichen Ursprünge Oberneisens und an die Herren von Nesen, die hier vor mehr als 700 Jahren ihren befestigten Wohnsitz hatten.






